Wie Tiefgaragen wirklich atmen
Redaktionell bereinigtes Transkript der Podcast-Folge. Schreibweisen, Zahlen und Fachbegriffe wurden für eine bessere Lesbarkeit vereinheitlicht.
Frank: Willkommen beim rotec Podcast. Mein Name ist Frank, und heute spreche ich mit meiner Kollegin Isabel darüber, wie Lüftungshauben für Tiefgaragen richtig geplant werden. Isabel, warum ist dieses Thema anspruchsvoller, als es zunächst klingt?
Isabel: Hallo Frank. Weil eine Lüftungshaube nicht nur gut aussehen muss. Freier Querschnitt, Luftführung, Wetterschutz und die Abgrenzung zur Rauchableitung müssen zusammenpassen.
Frank: Das sind mehrere Anforderungen, die sich gegenseitig beeinflussen. Beginnen wir bei der Gestaltung. Wenn du über eine begrünte Tiefgaragendecke gehst und die Lüftungshaube kaum wahrnimmst, ist das eigentlich Absicht?
Isabel: Ja, im besten Fall fügt sie sich ruhig in die Architektur ein. Hinter den Lamellen steckt aber eine ziemlich konkrete Aufgabe. Der Schacht braucht freie Luftwege, Wetterschutz, einen sicheren Anschluss an das Bauwerk und einen zugänglichen Wartungsbereich.
Frank: Dann darf ich die Haube also nicht nur danach beurteilen, ob sie gut aussieht und in die vorgesehene Fläche passt?
Isabel: Genau. Entscheidend ist nicht allein das äußere Maß, sondern der tatsächlich freie Querschnitt. Rahmen, Lamellen, Zwischenprofile, Schutzgitter und andere Einbauten nehmen der Luft einen Teil der sichtbaren Fläche wieder weg.
Natürliche Lüftung und wirksame Querlüftung
Frank: Bevor wir rechnen, lass uns einen Schritt zurückgehen. Wie kann eine Tiefgarage überhaupt ohne ständig laufende Ventilatoren belüftet werden?
Isabel: Die natürliche Lüftung nutzt Winddruck, thermischen Auftrieb und Druckunterschiede. Für die eigentliche Luftbewegung braucht sie keinen dauerhaft laufenden Ventilator. Beleuchtung, Schranken, Überwachung und andere Anlagen können natürlich weiterhin Strom benötigen.
Frank: Dann müsste doch eine große Öffnung nach draußen genügen, damit die Luft hinein und wieder hinaus kann.
Isabel: So einfach ist es leider nicht. Günstig ist eine dauerhafte Querlüftung, bei der Außenluft auf einer Seite einströmt, die relevanten Bereiche durchquert und gegenüber wieder austritt. Lage, Verteilung, Schachtgeometrie und Strömungswiderstände müssen dabei zusammenpassen.
Frank: Das klingt trotzdem nach einer Lösung, die für fast jede Tiefgarage funktionieren könnte.
Isabel: Leider nein. Garagengröße, Nutzung, Verkehrsaufkommen, Grundriss, Geschosszahl, Öffnungen und Schachthöhen können die natürliche Lüftung ermöglichen oder ausschließen. Dazu kommen Landesrecht, Baugenehmigung sowie das projektbezogene Lüftungs- und Brandschutzkonzept.
Frank: Dabei tauchen oft die Werte aus der Muster-Garagen- und Stellplatzverordnung auf. Kannst du die einfach für jedes Projekt übernehmen?
Isabel: Nein. Sie dienen nur für bestimmte geschlossene Mittel- und Großgaragen mit geringem Zu- und Abgangsverkehr als Orientierung, beispielsweise für eine Wohnhausgarage. Die Bundesländer können abweichen, und der konkrete Anwendungsfall muss immer bestätigt werden.
Frank: Welche Größenordnung nennt die Musterregelung denn für einen bestätigten Anwendungsfall?
Isabel: Sie nennt mindestens 1.500 Quadratzentimeter freien Gesamtquerschnitt je Stellplatz. Gegenüberliegende Öffnungen sollen höchstens 35 Meter voneinander entfernt sein. Zwischen Lüftungsschächten werden höchstens 20 Meter genannt. Bei Schächten über zwei Meter Höhe steigt der Orientierungswert von 1.500 auf 3.000 Quadratzentimeter je Stellplatz.
Freier Querschnitt und geometrische Vorbemessung
Frank: Lass uns das an einer Garage mit 20 Stellplätzen ausprobieren. Was kommt bei 1.500 Quadratzentimetern je Stellplatz heraus?
Isabel: 20 mal 1.500 ergeben 30.000 Quadratzentimeter. Das entspricht drei Quadratmetern erforderlichem freien Gesamtquerschnitt, sofern der Fachplaner diesen Ansatz für das Projekt bestätigt hat.
Frank: Aber dann bestelle ich doch einfach ein Lamellengitter mit drei Quadratmetern Außenmaß, richtig?
Isabel: Nein, genau an dieser Stelle entsteht häufig ein Planungsfehler. Wenn du beispielsweise mit der Renson-Lamelle 411 und ihrem veröffentlichten physischen freien Querschnitt von 50 Prozent rechnest, musst du drei Quadratmeter durch 0,5 teilen. Die geometrische Vorbemessung ergibt damit sechs Quadratmeter Netto-Lamellenfläche.
Frank: Moment, sind diese sechs Quadratmeter dann schon das fertige Ausführungsmaß?
Isabel: Auch noch nicht. Rahmen, Zwischenpfosten, Wartungstüren, Befestigungen und zusätzliche Schutzlagen können die nutzbare Fläche weiter reduzieren. Renson weist außerdem darauf hin, dass Einbau, Verformung, Abschlusslamellen und kleine Gitter zu Abweichungen gegenüber der geometrischen Herstellerberechnung führen können.
Frank: Jetzt sprichst du vom physischen freien Querschnitt. Ist das nicht dasselbe wie die tatsächliche Luftleistung?
Isabel: Nein, und diese Trennung ist wichtig. Zwei Lamellensysteme können eine ähnliche freie Fläche haben und trotzdem unterschiedliche Druckverluste verursachen. Lamellenform, Bautiefe und Anströmrichtung beeinflussen die aerodynamische Leistung. Deshalb beschreibt eine reine Flächenrechnung noch nicht die Durchströmung der gesamten Garage.
Frank: Dann kann ich wahrscheinlich auch nicht einfach das Lamellensystem mit dem höchsten Prozentwert auswählen.
Isabel: Genau. Im rotec Rechner werden beispielsweise für Renson 411 50 Prozent, für Renson 412 39 Prozent und für Renson 421 49 Prozent angesetzt. Für Renson 421 RC2 und RC3 sind es jeweils 46 Prozent.
Frank: Und wie sehen die Werte bei den weiteren Systemen aus?
Isabel: Renson 450V wird mit 57 Prozent angesetzt, Renson 452 mit 41 Prozent und Renson 481 mit der Lamelle L.050HF mit 60 Prozent. Trotzdem gehören Wetterschutz, Druckverlust, Sicherheit, Abmessungen, Einbaulage und Gestaltung immer mit in die Auswahl.
Insektenschutz, Kleintierschutz und Einbruchhemmung
Frank: Was passiert, wenn zusätzlich ein Insekten- oder Kleintierschutz gewünscht ist? Kann ich dessen Freifläche einfach mit dem Lamellenwert multiplizieren?
Isabel: Nein, daraus entsteht kein verlässlicher Gesamtwert. Feinmaschige Gewebe verringern die freie Fläche, erhöhen den Widerstand und können sich mit Staub, Laub oder Pollen zusetzen. Deshalb braucht die vollständige Konstruktion einen bestätigten Wert sowie einen erreichbaren Reinigungs- und Wartungszugang.
Frank: Kann ich bei der Sicherheit wenigstens sagen, dass eine stochersichere Lamelle automatisch einbruchhemmend ist?
Isabel: Nein. Stochersicherheit erschwert das Durchführen von Gegenständen, ersetzt aber keine geprüfte Einbruchhemmung. Für RC2 oder RC3 müssen Lamelle, Rahmen, Unterkonstruktion, Befestigung und Bauwerksanschluss als vollständiges System betrachtet werden.
Wetterschutz und architektonische Gestaltung
Frank: Beim Wetterschutz klingt es ähnlich. Hält eine Lüftungshaube den Schacht dann vollständig trocken?
Isabel: Auch hier wäre ein pauschales Ja falsch. Seitliche Lamellen können direkten Niederschlag reduzieren, machen die Haube aber nicht automatisch wasserdicht. Wind, Luftgeschwindigkeit, Lamellengeometrie, Schachtaufbau, Gefälle, Abdichtung und Entwässerung bestimmen gemeinsam, wie gut der Regenschutz funktioniert.
Frank: Viele dieser Hauben stehen in Innenhöfen oder Grünanlagen. Kannst du sie begrünen oder sogar mit einer Sitzfläche kombinieren?
Isabel: Ja, wenn die technische Funktion erhalten bleibt. Freie Luftflächen, Tragfähigkeit, Absturzkanten, Wasserableitung, Wartungszugang und Schutz vor Beschädigungen dürfen durch Holzauflagen, Rückenlehnen oder Pflanzen nicht beeinträchtigt werden. Deshalb wird eine solche Lösung von Anfang an für das konkrete Bauvorhaben entwickelt.
Betriebslüftung und Rauchableitung unterscheiden
Frank: Bis jetzt haben wir über die Lüftung im normalen Betrieb gesprochen. Kann dieselbe Öffnung im Brandfall nicht einfach auch den Rauch ableiten?
Isabel: Nicht automatisch. Die Betriebslüftung führt Fahrzeugabgase und belastete Luft ab, während die Rauchableitung andere Schutzziele verfolgt. Ob eine Öffnung im Brandfall angerechnet werden darf, entscheidet das Brandschutzkonzept. Lüftungshaube, Entrauchungshaube sowie natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät sind nicht einfach austauschbare Begriffe.
Frank: Und wann reicht die natürliche Lüftung nicht mehr aus?
Isabel: Das kann beispielsweise bei höherem Verkehrsaufkommen, ungünstig verteilten Öffnungen, mehreren Geschossen, langen Schächten oder einem nicht erfolgreichen lüftungstechnischen Nachweis der Fall sein. Dann kann eine maschinelle oder kombinierte Lösung erforderlich werden. Dabei kann beispielsweise Außenluft natürlich nachströmen, während Ventilatoren die Abluft fördern.
Projektbezogene Planung mit rotec
Frank: Wenn ich eine Lüftungshaube mit rotec planen möchte, welche Angaben sollte ich möglichst früh bereitstellen?
Isabel: Hilfreich sind Grundrisse, Schnitte, Bauort, Bundesland, Garagennutzung, Stellplatzzahl, Schachtmaße, Schachthöhen und vor allem der vom Fachplaner vorgegebene freie Querschnitt. Dazu kommen Lamellensystem, Wetterschutz, Insekten- oder Kleintierschutz, Sicherheitsanforderungen, Wartungsöffnungen, Oberfläche, Schachtrand, Dachgefälle, Abdichtung, Transportwege und mögliche Windlasten.
Frank: Und wo endet dabei die Verantwortung von rotec?
Isabel: rotec plant und fertigt in Berlin die projektbezogene Metallkonstruktion auf Grundlage der vorgegebenen technischen Daten. Der rotec Rechner unterstützt ausschließlich die geometrische Vorbemessung. Er ersetzt keinen Nachweis für Luftströmung, Brandschutz, Statik oder Genehmigungsfähigkeit. Diese Nachweise bleiben bei den zuständigen Fachplanern und Prüfsachverständigen.
Fazit der Podcast-Folge
Frank: Dann fasse ich zusammen. Die sichtbare Fläche ist nicht automatisch der freie Querschnitt, und ein hoher Freiflächenwert macht noch kein geeignetes Gesamtsystem.
Isabel: Richtig. Zusätzlich müssen Verteilung und Widerstand der Luftwege, Wetterschutz, Sicherheit, Wartung und Gestaltung zusammenpassen. Besonders wichtig ist außerdem, dass Stochersicherheit keine geprüfte Einbruchhemmung darstellt. Wetterschutz bedeutet nicht Wasserdichtigkeit, und Betriebslüftung ist nicht dasselbe wie Rauchableitung.
Frank: Wenn du also eine Lüftungshaube oder Lamellenfläche planst, solltest du die Metallkonstruktion einbeziehen, bevor Abmessungen und Anschlüsse endgültig feststehen.
Isabel: Genau, denn dann lassen sich freie Luftflächen, Unterkonstruktion, Wartungszugang und Gestaltung sinnvoll aufeinander abstimmen. Weitere technische Informationen und den Rechner zur geometrischen Vorbemessung findest du im rotec Blogbeitrag „Entrauchungshauben für Tiefgaragen und Dachschächte richtig planen“. Vielen Dank fürs Zuhören.
Projektbezogene Tiefgaragenlüftung anfragen
Sie planen eine Lüftungshaube, eine Lamellenfläche oder eine natürliche Be- und Entlüftung für eine Tiefgarage? Senden Sie rotec möglichst frühzeitig die Grundrisse, Schnitte, Schachtmaße und den vom Fachplaner geforderten freien Querschnitt. Auf dieser Grundlage prüft rotec das geeignete Lamellensystem, die erforderliche Lamellenfläche, den Wetterschutz, die Unterkonstruktion, den Wartungszugang und die projektbezogene Fertigung.
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